Wurzeln & Wege

Entstehung des Beginenhofs

Geschichte des Essener Beginenhofs

Zwölf Jahre lang leisteten die beiden Initiatorinnen Waltraud Pohlen und Ute Hüfken Informations- und Überzeugungsarbeit, erarbeiteten Konzepte, gründeten einen Verein, sahen Pläne kurz vor der Vollendung scheitern, die Gruppe sich auflösen und neu formieren, bis sie im Jahr 2006 den Anruf des Architekten Köhnemann aus Unna erhielten. Sie entschieden sich für das Angebot, das ehemalige Finanzamt Essen-Süd zu einem Beginenhof umzubauen. Im Januar 2007 ging es los: Aus „Amtsstuben“ auf einer Fläche von ca. 3000m² wurden 24 Wohnungen, 14 Appartements, Gemeinschaftsräume und 10 Büro/Praxisräume und ein Café. Die Appartements übernahm als Kooperationspartnerin die Freie Alten- und Krankenpflege e.V. für zwei Wohngruppen „Betreutes Wohnen für Frauen“.

Am 17.11.2007 zogen die ersten Beginen in den Beginenhof Essen ein. Nicht alle, denn wie schon im Mittelalter gehören auch Frauen zur Gemeinschaft, die nicht im Haus wohnen: Die Wanderbeginen.

Im Juni 2012 übernahm die Essener Allbau AG das Gebäude. Die weitere Entwicklung des Wohnprojekts ist durch einen Kooperationsvertrag und regemäßige Gespräche gesichert.

Die Beginengeschichte


In Europa gab es seit dem 13. Jahrhundert ein wachsendes Bedürfnis nach spirituellem Leben in klösterlicher Gemeinschaft, besonders unter Frauen. Da nicht alle in ein Kloster eintreten konnten oder wollten, um etwa die Festlegung durch ein lebenslanges Gelübde zu vermeiden, wurde es immer üblicher, dass alternative Formen religiöser Lebensgemeinschaften von Frauen entstanden.


In Essen gab es sechs Konvente, die im 13. und 14. Jahrhundert von Fürstäbtissinnen gestiftet worden waren: Im Kettwich, Im Alten Hagen, Im Neuen Hagen, Im Dunkhaus, Im Zwölfling, Im Turm. Ursprünglich gaben die Konvente sich ihre ordensähnlichen Regeln selbst und ließen sie von der Äbtissin lediglich bestätigen. Später kam es aber auch vor, dass die mächtige Äbtissin einem Konvent neue Statuten gab. Die Beginen waren sehr bedeutend für das Glaubens- und Wirtschaftsleben in der Stadt. Sie waren erwerbstätig als Seidenweberinnen, Spinnerinnen, Wäscherinnen, die Beginen bestellten Gemüsegärten, buken Brot und brauten Bier. Und für das soziale Gefüge vielleicht am wichtigsten: Sie versorgten und unterrichteten Kinder, sie sorgten für die medizinische und pflegerische Betreuung Kranker und Sterbender. In den Jahren nach der Säkularisation schlossen die Beginenkonvente in Essen sich zunächst zusammen und wurden später aufgelöst. Ein Teil der Beginen gründete 1843 die Ordensgemeinschaft  „Barmherzige Schwestern von der hl. Elisabeth zu Essen“. Zahlreiche Einrichtungen im Bereich der Alten- und Krankenpflege, der Aus- und Weiterbildung sind heute in Trägerschaft der Stiftung der Elisabeth-Schwestern. Zeitweise lebten bis zu 10 % der Frauen in den Städten als Beginen. Trotz Reformation, Aufklärung und Säkularisierung gab es bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche Beginen in Deutschland.


Die letzte Begine der alten Tradition starb am 14.4.2013 in Kortrijk in den Niederlanden.


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